Notgroschen berechnen: Höhe der Rücklage und Aufbau
Die Reserve richtet sich nach den Ausgaben, die auch ohne Einkommen weiterlaufen, und nach der Zeit, die bis zu neuem Geld vergehen kann.
Wie viele Monatsausgaben die Reserve abdecken sollte
| Situation | Monate | Begründung |
|---|---|---|
| Zwei sichere Einkommen, keine Kinder | 3 | ein Einkommen trägt die Fixkosten bei Ausfall des anderen teilweise |
| Ein Einkommen, unbefristet angestellt | 3–4 | Arbeitslosengeld fängt einen Jobverlust ab, aber verspätet und niedriger |
| Befristeter Vertrag, Alleinverdiener, Kinder | 6 | höheres Ausfallrisiko oder mehr Personen, die versorgt werden |
| Selbstständig | 6–12 | kein Arbeitslosengeld, Kundenausfälle und Zahlungsziele |
Gerechnet wird mit Ausgaben, nicht mit dem Einkommen. Wer 3.000 € netto verdient, aber 1.800 € zum Leben braucht, plant mit 1.800 € pro Monat. Das Arbeitslosengeld I beträgt 60 % des pauschalierten Nettoentgelts, mit Kind 67 %, und wird nachträglich zum Monatsende gezahlt. Nach einer Eigenkündigung ohne wichtigen Grund verhängt die Agentur für Arbeit in der Regel eine Sperrzeit von zwölf Wochen; in dieser Zeit fließt gar kein Geld. Bei längerer Krankheit zahlt die Krankenkasse nach sechs Wochen Lohnfortzahlung Krankengeld von 70 % des Bruttos, höchstens 90 % des Nettos.
Drei Monatsausgaben decken eine Sperrzeit nur knapp. Wer einen Jobwechsel mit eigener Kündigung plant, sollte die Reserve vorher aufstocken.
Welche Ausgaben in die Rechnung gehören
| Ausgabe | Zählt | Grund |
|---|---|---|
| Miete oder Kreditrate, Nebenkosten, Strom | ja | läuft unverändert weiter |
| Kranken-, Haftpflicht-, Berufsunfähigkeitsversicherung | ja | Kündigung würde den Schutz gerade im Notfall kosten |
| Lebensmittel, Drogerie, Mobilität | ja, reduziert | lässt sich kurzfristig um 10 bis 20 % senken |
| Kinderbetreuung, Unterhalt | ja | rechtliche Verpflichtung |
| Sparpläne | nein | lassen sich sofort aussetzen |
| Urlaub, Restaurant, Abos | nein | im Notfall verzichtbar oder kündbar |
Wer die Zahl aus dem Haushaltsbuch nimmt, streicht alle Posten, die sich innerhalb eines Monats stoppen lassen. Was übrig bleibt, ist der Betrag, den der Rechner unter „Notwendige Ausgaben“ erwartet. Eine genauere Aufstellung von Einnahmen und Ausgaben liefert der Rechner Sparrate aus Einkommen.
Mehr Reserve für Selbstständige und Wohneigentümer
- Selbstständige haben ohne freiwillige Arbeitslosenversicherung keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Zahlungsziele von 30 bis 60 Tagen und saisonale Schwankungen kommen hinzu, deshalb 6 bis 12 Monatsausgaben.
- Steuervorauszahlungen und Nachzahlungen nach dem Bescheid gehören bei Selbstständigen nicht in den Notgroschen, sondern auf ein eigenes Steuerkonto; sonst ist die Reserve weg, wenn der Bescheid kommt.
- Wohneigentümer tragen Reparaturen selbst. Für Instandhaltung gelten etwa 1 bis 1,5 % des Gebäudewerts pro Jahr als Richtwert, bei einem Haus für 400.000 € also 4.000 bis 6.000 € jährlich, getrennt vom Notgroschen.
- Eine Heizung kostet 10.000 € und mehr, ein Dach deutlich mehr. Solche Posten fängt eine Instandhaltungsrücklage ab, nicht die Reserve für Einkommensausfälle.
- Wer ein älteres Auto beruflich braucht, plant einen zusätzlichen Puffer für Reparaturen von 1.000 bis 2.000 €.
Versicherungen, die den Notgroschen entlasten
- Private Haftpflicht
- deckt Schäden an Dritten in Millionenhöhe für etwa 50 bis 100 € im Jahr; ohne sie kann ein einziger Unfall jede Reserve übersteigen
- Berufsunfähigkeitsversicherung
- ersetzt Einkommen, wenn der Beruf dauerhaft nicht mehr ausgeübt werden kann; der Notgroschen überbrückt nur Monate, nicht Jahre
- Krankentagegeld
- für Selbstständige und privat Versicherte, die kein gesetzliches Krankengeld erhalten
- Freiwillige Arbeitslosenversicherung
- für Selbstständige, Antrag innerhalb von drei Monaten nach Beginn der Selbstständigkeit bei der Agentur für Arbeit
Der Notgroschen deckt kurze Ausfälle und überraschende Rechnungen, Versicherungen die großen, seltenen Risiken. Wer beide Ebenen trennt, muss die Reserve nicht für Fälle aufblähen, die sie ohnehin nicht tragen könnte.
Wie lange der Aufbau dauert
Ein Notgroschen von 7.200 € (vier Monate zu 1.800 €) braucht bei 300 € im Monat zwei Jahre, bei 600 € ein Jahr. Für diese Zeit hat der Aufbau Vorrang vor einem ETF-Sparplan, weil sonst der erste größere Notfall einen Verkauf von Aktien zu ungünstigen Kursen erzwingen kann. Ein bewährter Weg ist, die Reserve in Stufen aufzubauen: zuerst eine Monatsausgabe, die kleine Reparaturen abfängt, dann den vollen Betrag.
Sonderzahlungen beschleunigen den Aufbau deutlich. Urlaubs- und Weihnachtsgeld, eine Steuererstattung oder eine Gehaltserhöhung können direkt auf das Rücklagenkonto fließen, ohne dass sich der Alltag verändert. Ist der Zielbetrag erreicht, wandert die Sparrate in den langfristigen Sparplan.
Wo der Notgroschen liegt
- Tagesgeld
- täglich verfügbar, verzinst, gesetzlich bis 100.000 € geschützt; Standardlösung, idealerweise bei einer anderen Bank als das Girokonto
- Girokonto
- meist ohne Zinsen und zu nah am Alltagsgeld; nur für die erste Monatsausgabe sinnvoll
- Festgeld
- nicht kündbar, deshalb ungeeignet; höchstens eine Leiter für den Teil über sechs Monatsausgaben
- Aktien-ETF
- kann im Notfall 30 % unter dem Kaufwert stehen, genau dann, wenn Jobs unsicher werden
- Bargeld
- einige hundert Euro für Ausfälle von Karten oder Banksystemen, mehr bringt nur Verlust durch Inflation
Ein Tagesgeld bei einer anderen Bank schafft eine kleine Hürde gegen spontane Ausgaben, ist aber mit einer Überweisung innerhalb eines Bankarbeitstags verfügbar. Bei 7.200 € und 2 % Zinsen bringt es rund 144 € im Jahr und gleicht damit einen Teil der Inflation aus. Wie sich Aktionszins und Zins danach auswirken, zeigt der Tagesgeldrechner.
Erste Schritte bei Jobverlust oder Einkommensausfall
- Spätestens drei Monate vor Ende des Arbeitsverhältnisses, bei kürzerer Frist innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis, arbeitssuchend melden; sonst droht eine Sperrzeit von einer Woche.
- Sparpläne, Abos und verzichtbare Daueraufträge sofort aussetzen.
- Ausgaben auf die notwendigen Posten aus dem Rechner senken und den Notgroschen in Monatsraten auf das Girokonto übertragen.
- Bei Krediten mit der Bank über eine Ratenpause sprechen, bevor eine Rate platzt.
Nach einer Entnahme wieder auffüllen
Der Notgroschen ist dafür da, benutzt zu werden: für die Waschmaschine, die Werkstattrechnung oder die Nebenkostennachzahlung. Nach jeder Entnahme hat das Auffüllen Vorrang. Der langfristige Sparplan wird dafür reduziert oder für einige Monate ausgesetzt, bis der Zielbetrag wieder erreicht ist. Wer stattdessen weiter in ETFs spart, steht beim nächsten Ereignis mit einer halben Reserve da.
Einmal im Jahr lohnt eine Überprüfung der Zielgröße. Steigen Miete oder Lebenshaltungskosten, wächst der benötigte Betrag mit; kommt ein Kind dazu oder fällt ein zweites Einkommen weg, verschiebt sich die Lebenssituation im Rechner nach oben. Liegt mehr als die Zielsumme auf dem Konto, ist der Überschuss Kapital, das langfristig angelegt werden kann.